1000 Tonnen schweres Beton-Bauwerk innert 56 Stunden versetzt

Für die neue Wildtierunterführung B-7281 in Brugg, welche den unterbrochenen Wildtierkorridor Schinznach-Bad künftig verbindet, muss die SBB-Bahnlinie und die Kantonsstrasse unterquert werden. Der Auftrag wird in zwei Etappen durch die ERNE AG Bauunternehmung als Tiefbau-Totalunternehmerauftrag ausgeführt. Für die Unterquerung der Bahnlinie wurde die Bahnstrecke am Wochenende vom 23. bis 26. Juli während eines begrenzten Zeitfensters von 56 Stunden unterbrochen. Rund 60 Mitarbeiter versetzten während dieser Zeit in sieben Schichten das rund 1000 Tonnen schwere Bauwerk, welches zuvor auf der Baustelle erstellt wurde. 

Film Verschub Wildtierunterführung

Spektakulärer Verschub der Wildtierunterführung

Am Freitag um 20.00 Uhr fiel der Startschuss für die Arbeiten. Sofort wurden die Gleise und der Bahnschotter entfernt. Anschliessend brach das ERNE Tiefbau-Team die zuvor errichtete provisorische Nagelwand, welche die Baugrube im Bereich der Kantonsstrasse zum Bahndamm hin sicherte, ab. Nach den Rückbauarbeiten begann der Aushub für den Verschub des Beton-Bauwerks unter die Bahnlinie. Mit vier Baggern und 160 LKW-Fahrten wurden 3000 m3 loses Aushubmaterial abgetragen und abtransportiert. Nebst den zeitlich engen Vorgaben war auch die Logistik, auf der sonst eher kleinen Baustelle, eine Herausforderung für alle Beteiligten. Dazu kam, dass der Grundwasserspiegel durch den starken Regen der letzten Wochen anstieg und das Team an diesem Wochenende zusätzlich die Baugrube durch Wasserhaltungsmassnahmen trockenlegen musste. Im Bereich des Baugrunds wurde danach das Material ersetzt –felsiges nicht tragfähiges Material wurde durch Kalkschotter ausgetauscht – und die Sohlenplanie mit Splitt erstellt. Die Tiefbau-Profis verlegten danach mit dem Pneukran die zehn Meter langen und neun Tonnen schweren Verschubbahnen. Mit sechs Hydraulikpressen wurde das Beton-Bauwerk anschliessend 15 Zentimeter angehoben und über die Bahnen an seinen Bestimmungsort gefahren.

Nach der Kontrolle und Freigabe der korrekten Position durch einen Geometer wurde das Bauwerk abgesetzt. Für die Hinterfüllung wurden die Seiten anschliessend abgeschalt und die Hohlräume mit rund 1000 m3 Geröll, Kiesmaterial und Schotter gefüllt. Für die späteren Arbeiten wird ausserdem eine Schutzwand, welche die Bahngleise von der Baustelle im Bereich der Kantonsstrasse abgrenzt, errichtet. Zeitgleich wurde beim Eingang der Wildtierunterführung im Bereich der Aare eine Schwergewichtsmauer zur Sicherung des Bahndammes erstellt. Die dafür benötigten Fertigbetonelemente wurden durch die Kies und Beton Münchwilen AG gefertigt. Später wird die Stützmauer mit Steinkörben, sogenannten Gabionen verkleidet, sodass sich diese in die Natur einfügt. Der Wochenend-Einsatz konnte am Montagmorgen pünktlich um 04:00 Uhr, nach dem Einbau des Bahnschotters und der Gleise, mit der Freigabe der Bahnstrecke durch die SBB, beendet werden. 

 

Bau des zweiten Bauwerks und Umgebungsarbeiten

Nach dem spektakulären Verschub des ersten Beton-Bauwerks erfolgt der Bau des zweiten Bauwerks, welches an die Anforderungen der Kantonsstrasse angepasst wird. Sowohl beim ersten wie auch beim zweiten Bauwerk wird ein Ultrahochfester-Faserbeton (UHFB) auf der Decke eingebaut. Der UHFB dient zur Abdichtung und wird durch die ERNE decon AG erstellt. Anschliessend wird das Teilstück der Kantonsstrasse durch das ERNE Team wieder neugebaut und die Umleitung aufgehoben. Die beiden Beton-Bauwerke werden am Ende über einen Lichtschacht miteinander verbunden sein. Bis zur Fertigstellung der Baustelle Ende Jahr wird im Bereich des Hölzliwaldes ausserdem eine 80 Meter lange Blendschutzwand aus Holz gebaut, welche die Wildtiere vor dem Scheinwerferlicht vorbeifahrender Fahrzeuge schützt. Der Blendschutz wird durch die Firma HUSNER AG Holzbau gefertigt. Zum Schutz der Tiere wird zudem die Rossbergstrasse zurückgebaut und die Eingänge sowie die Umgebung der Wildtierunterführung naturnah gestaltet, sodass sich Rehe, Füchse und andere Tiere wohlfühlen.

Film Verschub Wildtierunterführung

TU-Tiefbau Brugg Wildtierunterführung