Komplexer Infrastrukturbau mit vielen Herausforderungen

Die Ostumfahrung, die den historischen Ortskern von Bad Zurzach vom Transitverkehr entlasten wird, ist über einen Kilometer lang und verläuft 530 Meter in einem Tunnel. Nach ihrer Fertigstellung wird der Verkehr über eine zweispurige Kantonsstrasse geführt, welche die Bruggerstrasse und die Zürcherstrasse verbindet.

Seit dem Baubeginn wurde schon tonnenweise Erdmaterial bewegt, und das ERNE Team aus den Bereichen Tief- und Hochbau hat bereits einige spannende Meilensteine gemeistert, zum Beispiel die Versetzung der SBB-Brücke, die Tieferlegung der Hochspannungsleitung und die Übergabe vom Knoten Glocke.

Infrastrukturbau Ostumfahrung Bad Zurzach Teamarbeit

Spezialtiefbauarbeiten beim Knoten Glocke

Das Projekt startete im Januar 2020 mit den Aushubarbeiten im Bereich des Knotens Glocke. Das Tiefbau-Team verlegte danach die Werkleitungen und erstellte Rühl- und Spritzbetonwände. Diese Spezialtiefbaumassnahmen verhindern das Abrutschen der Böschungen und schliessen die Baugrube ab. Trotz erschwerter Bedingungen wegen der Coronavirus-Pandemie leisteten die rund 50 Mitarbeiter auf der Baustelle hervorragende Arbeit.

ERNE Team versetzt in 38 Stunden die SBB-Brücke

Während mehrerer Wochen wurden die beiden Widerlager und die riesige Brückenplatte auf der Baustelle vorfabriziert. In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 2020 starteten die Arbeiten für den eigentlichen Einbau der neuen SBB- und Fussgängerbrücke. Für das komplexe Bauvorhaben stand ein Zeitfenster von nur 52 Stunden zur Verfügung, in dem die Bahnstrecke zwischen Rekingen und Bad Zurzach unterbrochen wurde und alle Arbeiten ausgeführt werden mussten. 

Zuerst demontierte die SBB die Gleise und Fahrleitungen. Anschliessend wurde der Schotter von den Gleisen entfernt und seitlich deponiert. Sechs Bagger zerlegten die alte Brückenplatte in ihre Einzelteile und brachen die beiden baufälligen Widerlager aus dem Jahr 1906 ab. Erst jetzt konnte der Neubau der zukünftigen SBB-Brücke beginnen. Das ERNE-Team erstellte dazu als Erstes den Aushub für die Widerlager und verbaute anschliessend die Nivellierfundamente, auf denen später die beiden auf der Baustelle vorfabrizierten Widerlager zu liegen kamen. 

Am folgenden Tag konnten die ersten Bauteile der neuen SBB-Brücke verbaut werden. Der 650 tonnenschwere Spezialkran hob die beiden je 180 Tonnen schweren Widerlager nacheinander an und setzte sie passgenau auf die Fundamente. Danach wurden sie mit einem schnell abbindenden Spezialbeton unterbetoniert und mit Geröll und Geröllbeton hinterfüllt. Nun folgte der Augenblick, auf den alle gespannt gewartet hatten: der Einbau der neuen Brückenplatte mit 17 Metern Spannweite. Es war ein fesselnder Moment, als die riesige, rund 250 Tonnen schwere Brückenplatte scheinbar federleicht am Kran zu schweben begann und zentimetergenau über den beiden Widerlagern platziert wurde. Die Freude bei den Teams war deutlich spürbar, als die Platte passgenau montiert war und die neue Brücke sich elegant im Scheinwerferlicht präsentierte. 

Versetzung Brücke Ostumfahrung Bad Zurzach
Hochbau SBB-Brücke Ostumfahrung Bad Zurzach

Schwebende Brückenplatte und Eröffnung des Knoten Glocke

Es war ein fesselnder Moment, als die riesige, rund 250 Tonnen schwere Brückenplatte scheinbar federleicht am Kran zu schweben begann und zentimetergenau über den beiden Widerlagern platziert wurde. Die Freude bei den Teams war deutlich spürbar, als die Platte passgenau montiert war und die neue Brücke sich elegant im Scheinwerferlicht präsentierte. 

Anschliessend ging es für die Hoch- und Tiefbau-Teams weiter mit den Vorbereitungen zum Einbau der neuen Fussgängerbrücke. Diese wurde am Sonntag mit dem Schwertransporter angeliefert und auf die zuvor verbauten Widerlager montiert. Nach 38 arbeitsintensiven Stunden konnte ERNE die neue Brücke dann an die SBB übergeben, die gleich wieder die Gleise und Fahrleitungen montierten. 

Am 22. Juni 2020 um 4.30 Uhr überquerte der erste Zug pünktlich die neue Brücke. Damit war der erste Meilenstein abgeschlossen: der Rückbau der alten und der Einbau der neuen SBB-Brücke. 

Auch im Bereich des Nordportals Glocke ging die Arbeit weiter. Den Strassen entlang wurden Stützmauern, Lärmschutzwände und Zufahrtswege für die angrenzenden Liegenschaften gebaut. Schliesslich setzte das Tiefbau-Team die Strassenabschlüsse und baute den Belag ein. Pünktlich am 20. November 2020 konnte die Sperrung vom Knoten Glocke aufgehoben werden. Seither ist die Zürcherstrasse wieder für den Normalverkehr passierbar. 

Schalen, Bewehren und Betonieren der 530 Meter langen Tunneldecke

Parallel zu den Vorbereitungen für den Einbau der neuen SBB-Brücke begannen die Arbeiten für den Tunnel, der in Deckelbauweise erstellt wird: Im Bereich des Knotens Glocke wurden die ersten Bohrpfähle für die Tunnelwände erstellt. Für jeden der insgesamt 1’143 Ortbeton-Bohrpfähle wurde ein ca. 13 Meter tiefes Loch gebohrt. Je nach Typ – bewehrt oder unbewehrt – wurde ein Bewehrungskorb eingelegt und anschliessend ausbetoniert.

Nachdem beidseitig rund 40 Meter der Bohrpfähle erstellt waren, startete das ERNE Hochbau-Team mit dem Schalen, Bewehren und Betonieren der Tunneldecke. Die Decke – sie ist ca. einen bis eineinhalb Meter stark – ist beim Nordportal Glocke auf den ersten 50 Metern vorgespannt. Alle vier bis fünf Tage wird eine Deckenetappe von jeweils 10 Metern betoniert. So wächst der Tunnel stetig in Richtung Südportal Zurziberg. Bis im Frühling 2021 wird die rund 530 Meter lange Tunneldecke betoniert sein. 

Hochbau-Team Ostumfahrung Bad Zurzach
Tunnelarbeiten Ostumfahrung Bad Zurzach

Vom Tunnelanstich bis zum Tunnelausbau

Die speziell geschulten Teams haben bereits mit den Ausgrabungsarbeiten des Tunnelprofils begonnen. Seit dem Tunnelanstich wurden schon rund 80 Meter mit dem Bagger ausgegraben. Beim Portal Glocke müssen die Lastwagen, die das Material abtransportieren, wieder in den Strassenverkehr eingegliedert werden: eine logistische Herausforderung! Für den Abtransport des Aushubs fahren die leeren LKWs, welche mit Rückfahrkameras ausgestattet sind, rückwärts in den Tunnel und anschliessend voll beladen vorwärts aus dem Tunnel heraus. Im Bereich des neu gebauten Knotens Glocke fügen sie sich in den laufenden Verkehr ein.

Der Tunnel und die Arbeiten im Innern werden durch die heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, überwacht. Die Statue der Schutzheiligen wird ab Januar 2021 den Tunneleingang des Nordportals zieren und den Teams bei ihren Arbeiten im Tunnel Glück bringen.

Kleintierdurchlass und Tieferlegung der Elektroleitungen

Im südlichen Anschluss der Umfahrungsstrasse wurde ein Kleintierdurchlass gebaut. Zum Schutz der Amphibien werden zu einem späteren Zeitpunkt auch Amphibienelemente verlegt. Das Team meisterte in diesem Bereich einen weiteren Meilenstein: Auf Höhe des Tiergartenwegs musste die 110kV AEW- Hochspannungsleitung tiefer in den Boden verlegt werden, da sie in diesem Bereich von der Tunnelzufahrt und den Stützmauern gequert wird. Das Spezielle daran: der Kabelblock wurde nicht wie üblich gesteckt, sondern durch das Team der Gebr. Meier AG Rohrleitungsbau geschweisst. Für die Bauplanung war dieser Teil des Projekts besonders aufwendig, da die Ausführung mit dem Revisionstermin des Kernkraftwerkes Leibstadt abgestimmt werden musste. Der super Einsatz des Teams machte es möglich, auch diesen wichtigen Meilenstein erfolgreich umzusetzen – die Bauarbeiten liegen weiterhin im Zeitplan.

Im Verlaufe des Jahres 2021 beginnen mit dem Tunnelanstich beim Portal Zurziberg die Ausgrabungsarbeiten des Tunnelprofils von Süden her. Im Bereich des Tunnelportals Glocke startet dann bereits der Ausbau des Tunnels. Im Bankettbereich seitlich der Fahrbahn werden Werkleitungen für Wasser, Abwasser und Elektronik verlegt sowie Entwässerungsrinnen erstellt. Danach wird die Tunnelsohle ab der Neubergstrasse bis zum Südportal Zurziberg mit einer Spriessplatte ausgesteift, und im seitlichen Wandbereich werden Beton-Anprallwände erstellt. Anschliessend folgen der Einbau der Fundationsschicht und die Belagsarbeiten.

Bagger Ostumfahrung Bad Zurzach
Infrastrukturbau Ostumfahrung Bad Zurzach

Auch über dem Tunnel gehen die Arbeiten weiter

Auf die Tunneldecke wird eine Abdichtung eingebaut. Darauf folgt der Einbau einer Kies- oder Erdschicht. Über dem Tunnel, im Bereich des Schützenwegs, wird eine kleine Zufahrtsstrasse gebaut. Da sich die spätere Begegnungszone durch eine spezielle Farbgebung abheben soll, ist ein farbiger Belag geplant.

Nach Abschluss der Tunnel- und Gestaltungsarbeiten der Begegnungszone wird ERNE die Umfahrungsstrasse im Herbst 2022 an den Kanton Aargau übergeben. Zuletzt wird der Innenausbau der Tunnelröhre abgeschlossen, damit die fertige Umfahrungsstrasse Mitte 2023 feierlich eröffnet werden kann.

ERNE & Gebr. Meier - Ein Power Team

Für das Grossprojekt Ostumfahrung Bad Zurzach werden verschiedene Bauleistungen benötigt, welche die ERNE-Gruppe dank Fachspezialisten aus allen Bereichen des Bauhauptgewerbes aus einer Hand bieten kann. Während sich das Tief- und Hochbau-Team von ERNE um den Bau des Tunnels und der Fahrbahn kümmert, führen die Spezialisten der Gebr. Meier AG Rohrleitungsbau auf verschiedenen Abschnitten der Baustelle sämtliche Rohrlegearbeiten aus. Nebst Transport- und Verteilleitungen, welche die Bevölkerung von Bad Zurzach mit Wasser versorgen, verlegen die Gebr. Meier-Teams im Tunnel die Löschwasserleitungen. Bis zum Projektende werden rund 2'200 Meter Rohrleitungen, wie PE-Leitungen mit einem Durchmesser von bis zu 250 mm sowie Gussleitungen mit einem Durchmesser von bis zu 150 mm verbaut sein. Die Hälfte der Leitungen wurde bereits eingebaut und in Betrieb genommen.

Tiefbauarbeiten Ostumfahrung Bad Zurzach

Facts zur Baustelle:

Projekttitel: Bad Zurzach Ostumfahrung NK 286
Projektleiter / Bauführer: Gerhard Hauser, Alain Hofer, Sascha Ehrler, Rolf Zumsteg, Peter Frei, Simon Schmidle, Jascha Mürner
Polier: Urs Strittmatter, Manfred Nussbaum, Dominik Hasler, Philipp Müller, Roman Müller, Philipp Kolly, Maik Lüdke, Dean Mollet
Leistungen: Tiefbau, Ortbeton- und Infrastrukturbau, Spezialtiefbau
Bauzeit: Ausführung Januar 2020 – Herbst 2022

Imposante Zahlen:

Aushub: ca. 95'000 m3
Ortbeton: ca. 18’500 m3
Schalung: ca. 26’500 m2
Bewehrung: ca. 2’500 to
Vorspannung: ca. 1’500 m
Rühlwände: ca. 1’000 m2
Nagelwände: ca. 3’100 m2
Bohrpfähle bewehrt: ca. 13’500 m
Bohrpfähle unbewehrt: ca. 2’400 m
Vorgespante Anker: 450 Stk.
Fundationsschicht: ca. 12’000 m3
Walz- und Gussasphalt: ca. 7’000 to
Randabschlüsse: 4'500 m
Kabelrohrblöcke: 4'500 m
Abdichtungen: ca. 10’000 m2
Amphibienschutz: 200 m

Weitere Informationen

KONTAKT

ERNE AG Bauunternehmung (Hauptsitz)
Baslerstrasse 5, Postfach
CH-5080 Laufenburg
Tel: +41 (0)62 869 43 00 | Fax: +41 (0)62 869 43 50

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