Neubau BBZ BL in Muttenz

 

25. Februar 2026

 

Am kantonalen Schulstandort Kriegacker in Muttenz werden in den kommenden Jahren drei Schulen der Sekundarstufe II räumlich zum Sek-II-Campus Polyfeld Muttenz zusammengefasst. Dabei handelt es sich um das Berufsbildungszentrum Baselland (BBZ BL), das Gymnasium Muttenz und das Zentrum für Brückenangebote. Der Sek-II-Campus Polyfeld Muttenz wird in drei Etappen realisiert.

Für den Kanton Basel-Landschaft übernimmt ERNE Teile des Rückbaus sowie die Baumeisterarbeiten in der Etappe 1 – BBZ, bestehend aus Werkstattgebäude, Aula und Sporthalle sowie der Sanierung des bestehenden Turms, in dem künftig die Unterrichtsräume untergebracht werden. 

Komplexer Abbruch für den neuen Sek-II-Campus Polyfeld Muttenz

Im Rahmen der Grundstückvorbereitung wurden bestehende Gebäude in Zusammenarbeit mit Aregger AG Bauunternehmung abgebrochen. Besonders anspruchsvoll war die Sanierung und Entkernung des Turmes, welche von oben nach unten durch ERNE decon ausgeführt wurde. Parallel dazu erfolgte die Schadstoffsanierung. Anschliessend starteten die Abbrucharbeiten. Auf einer Fläche von 20x20 Metern wurde die Kernzone des 12-geschossigen Bauwerks – inklusive Kernwände, Treppenanlagen, bis hin zur Bodenplatte und den vorhandenen Fundamenten – vollständig zurückgebaut. 

Aufgrund des Schallschutzes konnte mit der Demontage der Glasfassade erst begonnen werden, nachdem die Entkernung in fünf Geschossen abgeschlossen war. Für den Abbruch der Fassade entwickelte das Team ein spezielles Lastgehänge, um die bis zu 2.5 Tonnen schweren Fassadenelemente mit dem Baukran sicher zu entfernen.

Für die notwendige Aussteifung während der Bauphase wurden zusätzliche Verstärkungsmassnahmen im Inneren des Gebäudes umgesetzt. Auf jeder Geschossebene benötigte es dazu jeweils vier Stahlrahmenkonstruktionen mit Queraussteifungen, mit einem Einzelgewicht von ca. drei Tonnen, zur sicheren Lastabtragung. Diese temporäre Konstruktion wird nach Abschluss der Um- und Neubauarbeiten wieder vollständig zurückgebaut.

Neubau des Gebäudekerns und der Haupttreppe im Turm

Das zuvor entkernte Turmgebäude erhält während der Neubauphase einen neuen Gebäudekern. Bestehende Gebäudeteile werden über umlaufende Schwindgassen mit dem neuen Kern verbunden. Die Wände, Decken, Nottreppen sowie die zentrale Haupttreppe werden geschossweise in hochwertigem Sichtbeton ausgeführt. Die Wand- und Deckenarbeiten erfolgen dabei parallel: Sobald in der einen Hälfte eines Geschosses die ersten Wände betoniert sind, wird dort bereits mit der Decke begonnen - während zeitgleich in der zweiten Hälfte die Wände entstehen. Nach Abschluss aller Geschosse und Fertigstellung des Kerns werden die Schwindgassen geschlossen und die temporäre Spriessung entfernt.

Ein Treppenhaus als architektonisches Juwel

Das Highlight des Turmgebäudes ist die Haupttreppe: Sie besteht aus individuell geplanten und gefertigten Betonfertigteilen in Sichtbetonqualität. 16 Wangenelemente von je 10 Tonnen, 290 Einzelstufen und 14 Podestelemente bilden die freihängende Konstruktion und verjüngen sich nach unten hin konisch. Das bedeutet, die Stufen laufen keilförmig aus und verleihen der Treppe trotz ihrer enormen Dimensionen eine elegante Optik.

Der offene Raum zwischen den einzelnen Stufen unterstreicht die filigrane Konstruktion und verleiht der Treppe eine leichte, beinahe schwebende Wirkung. Da auch die Unterseiten der Stufen sichtbar bleiben, erforderte die Umsetzung höchste Präzision in Planung, Vorfertigung und Montage.

Der Einbau der Treppenelemente verlangte höchste Präzision: Mit dem Kran manövrierte das Team die seitlichen Wangen sowie jede einzelne Stufe Stück für Stück in den Treppenschacht, bis sie millimetergenau an ihrer vorgesehenen Position platziert werden konnten.

Für den sichereren Einbau kam eine ferngesteuerte 20-Tonnen-Ausgleichstraverse zum Einsatz. Dank des integrierten Funkausklinksystems konnte das Team die Lasthaken nach dem Absetzen der Elemente per Knopfdruck lösen. So musste sich niemand für das Aushängen in den Gefahrenbereich begeben.

Das Ergebnis: ein effizienterer Montageablauf, kürzere Einbauzeiten und ein deutliches Plus an Sicherheit auf der Baustelle.

Neubaukomplex mit hoher technischer Präzision

Alle Gebäude der Etappe 1 – BBZ werden in hochwertigem Sichtbeton ausgeführt. Für eine glatte, gleichmässige und durchgehend einheitliche Betonoberfläche kommt ein spezielles Sichtbetonkonzept zum Einsatz. Durch eine präzise Ausführung und exakt gleich grosse Betonieretappen entsteht ein harmonisches und gleichmässiges Erscheinungsbild. Die hierfür benötigten Spezialschalungen fertigt unsere Schwesterfirma HUSNER AG Holzbau projektbezogen an.

Das neue 55 Meter lange und 26 Meter breite Werkstattgebäude wird in einer dreiteiligen Etappierung errichtet. Das Etappierungskonzept erlaubt eine simultane Bearbeitung von Wänden, Stützen, Erdbebenwänden und Decken pro Geschoss – ein effizienter Baubetrieb, der Präzision und Geschwindigkeit vereint.

Parallel dazu entsteht die neue moderne Dreifachsporthalle, die sich durch eine komplexe Tragwerkslösung auszeichnet: Insgesamt werden 25 vorgespannte Spannbetonträger verbaut – darunter 21 Einzel- sowie zwei Doppelträger. Im Bereich der Doppelträger kann die Halle später flexibel in drei kleinere Einheiten unterteilt werden. Zur optimalen Planung und Ausführung erstellte die VDC-Abteilung der ERNE AG ein detailliertes 3D-Modell.

Der Bau der Träger erfolgt abschnittsweise: Das Hochbau-Team erstellt jeweils gleichzeitig zwei Träger auf der linken und zwei auf der rechten Seite. Nach Fertigstellung aller Träger wird die Decke betoniert und provisorisch mit Baumstämmen abgestützt. Anschliessend werden die Spannbetonträger vorgespannt, wodurch die gesamte Konstruktion ihre endgültige Stabilität erhält.

In einem ersten Schritt wurde die Decke der einen Hallenhälfte mit zwölf Trägern montiert und vorgespannt. Anschliessend wurde das Traggerüstsystem in die zweite Hallenhälfte versetzt, wo die restlichen Träger installiert und ebenfalls vorgespannt wurden. Ein architektonisches Highlight der Sporthalle bildet zudem die aussenliegende Wendeltreppe. Für deren Bau wird eine speziell entwickelte Schalung zum Einsatz kommen, welche exakt auf die individuellen Anforderungen der Treppe abgestimmt ist.

Beim Aulagebäude schreiten die Arbeiten sichtbar voran: Mit dem Einbau der massiven vorgefertigten Betonstützen und Betonträger entsteht die Grundlage für die weit gespannte Deckenkonstruktion als Holz-Beton-Verbundsystem (HBV).

Die vorgefertigten Holzelemente kommen aus der Produktion von ERNE AG Holzbau und werden gemeinsam mit unserem Team montiert.

Sicher geplant - sicher zurückgebaut:
Dreifachsporthalle

Unter dem Aufenthaltsbereich im Freien, der in der Mitte aller Gebäude liegt, ist die Dreifachsporthalle bereits vollendet. Sie wird von sechs grossen Oblichtern erhellt, die fest in den zentralen Platz integriert sind. Über einen unterirdischen Zugang ist die Halle mit allen umliegenden Gebäuden verbunden. 

Dank einer gründlichen Arbeitsvorbereitung (AVOR) entwickelte das Team für den Rückbau der provisorischen Spriessung aus Baumstämmen eine sichere und effiziente Vorgehensweise. Abhängig von der Lage und Belastung mussten 100 der insgesamt 125 Stämme mit einer Länge von 9,5 Metern vor dem Umlegen vorgeschnitten werden. Das Team führte den Ausbau mithilfe des ferngesteuerten Brock 500 aus sicherer Entfernung durch.

Der gesamte Arbeitsablauf wurde im Voraus festgehalten und im Rahmen einer Sicherheitsinstruktion („Toolbox“) allen Mitarbeitenden vermittelt. So wurde gewährleistet, dass sich während der Rückbauarbeiten keine Personen im Gefahrenbereich aufhielten.